Entscheidung

 

3

 

 

Viele Tage wanderte Bil. durch endlose Landschaften.

Zum Anfang sahen sie eigentlich noch genauso aus wie er sie aus seinen Erlebnissen kannte.

Doch je weiter er kam, veränderte sich langsam die Umgebung.

Als erstes fiel im auf, daß er ja eigentlich ganz alleine war, keine Menschen unterwegs traf

und Tiere eigentlich auch nicht zum Vorschein kamen. Das lag sicherlich an der Umgebung, die von fruchtbaren Tälern

und Bergen langsam aber stetig in endlose Einöde überging.

Was aber am meisten beeindruckte, war der Himmel: dort tanzten wie verrückt die Wolken hin und her,

der Wind wechselte ständig seine Richtung: es schien so, als würden am Himmel unterschiedliche Kräfte wirken,

ganz so wie im Gefühlsleben, mal hierhin - mal dorthin, keine einheitliche Richtung.

Irgendwann - Zeit spielte sowieso keine Rolle mehr - gesellte sich zu den Windgeräuschen ein leichtes Rauschen.

Bil. schaute in die Richtung des Geräusches, sah aber eigentlich nichts besonderes.

Nach knapp vier Stunden weiteren Wanderns sah er die Ursache des Geräusches: vor ihm schlängelte sich ein Fluß durch die

Landschaft. Ach was, Fluß? Man konnte noch nicht einmal das Ufer sehen, hätte auch ein See oder so sein können,

doch die starke Strömung deutete auf einen Fluß hin.

Als nun Bil. immer näher zum Ufer kam, sah er am Rande der Uferböschung unter einem Baum eine Person sitzen.

Erst erschrak Bil., hatte er doch seit vielen Tagen keine Menschenseele mehr zu Gesicht bekommen.

Unsicher näherte er sich dem Unbekannten.

Dann erkannte er so langsam eine Gestalt, die nach einem Mann aussah, verdammt alt und und verwittert wirkte.

Seine Haut erinnerte ihn an seinen Großvater - wie Pergamentpapier.

 

 

 

 

Bil: "Hey, alter Mann, was machst du denn hier?"

Der alte Mann blinzelte und rief: "Hallo Bilbolo, ich bin Thelos und beobachte den Fluß."

Bil. runzelte erstaunt die Stirn.

Bil: "Den Fluß? Wieso kennst du meinen Namen?"

Thelos: "Ach Bilbolo, ich kenn Dich schon so lange und bin überrascht, daß du erst jetzt hierher kommst. War denn der Weg so

schwierig?"

Bil: "Ich kenn Dich aber nicht, wer bist du denn - und was für ein schwieriger Weg?"

Thelos: "Ich beobachte die Menschen, wie sie sich so durchs Leben schlagen und die, die immer suchen, beobachte ich am

meisten, denn viele von diesen kommen irgendwann hierher, andere wiederum finden den Weg nie."

Bil: "Was soll ich denn suchen, he? Ich bin doch eigentlich zufrieden."

Thelos: "Dann kehr doch um und gehe nicht in den Fluß."

Bil: "Was liegt denn gegenüber, am anderen Ufer?"

Thelos: "Das, was du suchst oder erfahren willst."

Bil: "Oh Mann, jetzt bin ich so lange gut durchgekommen, warum soll ich mir das Ungewisse nicht auch noch gönnen?"

Thelos: "Weil du irgendwann wieder unruhig wirst, dann wanderst du wieder weiter- wolltest du eigentlich nicht jemanden

mitbringen?"

Bil: "Ja, sie kann sich aber nicht entscheiden, tanzt auf zu vielen Hochzeiten, hat wahrscheinlich zu viele Ängste und lernt zu

viele neue Typen kennen und muß alles ausloten."

Thelos: "Dann triff Du die Entscheidung und gehe Deinen Weg."

Bil: "Ist so schwierig, bedeutet wieder einmal Verlust, Schmerz und verlorene Zeit."

Thelos: "Kannst du denn warten? Wenn ja, warum denn erst an dieser Stelle? Außerdem - eventuell kommt sie ja nach; wenn

nein, go on."

Bil. bekam mal wieder seine berühmte Gänsehaut, die immer einsetzte, wenn er wichtige gefühlsbetonte Entscheidungen treffen

mußte.

Was hatte er auch zu verlieren, was hatte er denn bis hierher gewonnen? Im Grunde war er doch froh, daß er auf seiner Suche

wieder einen Schritt weitergekommen war.

Bil: "He, Thelos - warum tun Verluste immer so verdammt weh?"

Thelos: "Bist Du Dir denn sicher, daß es Verluste, sind? Oder ist es nur verletzte Eitelkeit?

Wie dem auch sei, Du wirst es herausfinden, wenn du den Fluß überschreitest."

Bil: "Was erwartet mich denn dort? Gibt es ein zurück?"

Thelos: "Du wirst das finden, was du erwartest - und zurück, was soll das bedeuten, zurück? Bleibt denn jemals die Zeit stehen

oder dreht sich zurück? Na also - Das einzige, was passieren wird, ist der Wechsel Deiner Identität, Deiner Persönlichkeit,

Deines Empfindens - aber das war Dir ja voher klar, sonst wärst Du nicht hierher gekommen."

 

Die Worte verursachten bei Bil. dermaßen starke Schmerzen, daß er sich krümmte, um den Druck zu bändigen.

Thelos hatte ja recht, warum bis hierher und nicht weiter?

Er drehte sich um, und schaute zurück, wo er hergekommen war – endlose Weite, der Himmel war durchtränkt mit dunklen

Wolken und es wehte immer noch ein starker Wind, seine Augen suchten weiter - sah er sie? - Nein.

 

Bil: "Ok, Thelos, the show must go on."

 

Bil. ging zum Ufer und glitt langsam in die Strömung ......

 


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